
Bode-Plots mit Siglent SDS800X Oszilloskopen und Budget-Funktionsgeneratoren
4. November 2025Ein guter Freund von mir ist am Anfang letzten Jahres nach Berlin gezogen. Uns verbindete nicht nur der Studiengang den wir bis dahin gemeinsam bestritten haben, sondern auch unser Knacks für alles was mit Elektronik und Wissenschaft zu tun hat. Vor dem Auszug gab er mir seine Sammlung an elektronischen Bauteilen – darunter ein paar IN-12 Nixie Röhren. „Wenn ich dir die gebe, dann musst du daraus aber auch eine Uhr bauen!“, war sein Wunsch. Gesagt, getan.
Was sind Nixie Röhren überhaupt?
In einer Zeit vor LEDs musste man in z.B. Messgeräten irgendwie Zahlen darstellen. Dazu nutzte man manchmal „Nixie-Röhren“. Eine Glimmlampe, in der die Ziffern als Metallgitter in einem Edelgas angesteuert werden. Die verschiedenen Zahlen sind hintereinander „gestapelt“ und werden über Kontakte am Sockel, wie bei einer normalen Röhre, gesteuert.

Nixies verloren nach den 70er Jahren schnell an Beliebtheit – schließlich waren die LEDs auf dem Vormarsch. Heute gibt es bis auf wenige kleine sehr exklusive Manufakturen kein Werk mehr, welches diese Ziffernröhren herstellt. Ein richtiges Relikt an eine vergessene Zeit.
Besondere Verwendung finden die Nixie-Röhren heutzutage nurnoch bei Enthusiasten. Das warme orangene Leuchten der Röhren ist eine tolle Abwechslung zu unserem sonst so digitalen Leben.
Ansteuern der Röhren
Meine IN-12 Röhren benötigen eine Versorgungsspannung von ca. 150 Volt. Damit wird einiges an zusätzlicher Beschaltung nötig, um die Lampen anzusteuern. Einfach an einen Mikrocontroller anschließen läuft nicht.
Im Internet werden spezielle Vintage-Treiber-Chips zu ordentlichen Preisen gehandelt. Es gibt aber auch freie Baupläne für eigene Treiber-Schaltungen.
Auf Aliexpress konnte ich außerdem eine universelle Treiber-Platine finden, auf der die Lampen über JST-Stecker angesteuert werden. Außerdem ist ein RTC-Modul, sowie eine Halterung für eine Pufferbatterie verbaut. Also die perfekte Grundlage für meine Uhr.

Das richtige Gehäuse
Mit den Möglichkeiten eines 3D-Druckers liegt es nahe, ein Gehäuse mit diesem herzustellen. Für die meisten Projekte funktioniert das auch ganz hervorragend.
Aber diese schöne Uhr in ein Gehäuse aus Plastik zu stecken, wirkte der Sache irgendwie nicht gerecht. Deshalb kommt hier bewusst ein Gehäuse aus schwarz eloxiertem Aluminium zum Einsatz, welches der Uhr die gewisse Wertigkeit gibt und sie zu einem echten Hingucker macht.
Edles Holz für einen edlen Look
Das von mir verwendete Gehäuse kommt vom Lieferanten mit einer Front aus dickem Aluminium. Definitiv schick, aber nicht mein Geschmack. Ich verwende ein gehobeltes Stück Mahagoni-Holz welches ich auf dem Laserschneider mit den passenden Ausschnitten versehe und anschließend mit einem hochwertigen Öl nachbehandle.
Außerdem wurde als Vergleich ebenfalls eine Front aus Eichenholz angefertigt. Die sieht auch sehr gut aus, allerdings gefällt mir die Farbe von Mahagoni besser in Kombination mit dem Leuchten der Röhren.

Befestigung der Nixies
Wie eben schon erwähnt gibt es verschiedene Gehäusefronten zum Wechseln. Somit lässt sich der Look der Uhr schnell und unkompliziert an einen anderen Standort anpassen. Damit dieser schnelle Wechsel auch wirklich gelingt, sind die Sockel der Nixie-Röhren nicht an der Front festgeschraubt, sondern auf einem Gestell im Inneren montiert. Dieses Gestellt ist über Langlöcher mit dem Boden des Gehäuses verschraubt. Dadurch kann die Position der empfindlichen Röhren variiert werden – je nachdem wie viel man von ihnen aus der Uhr herausschauen lassen möchte.

Die Rückseite
Um das Projekt gelungen abzurunden entschied ich mich noch, die Typenbezeichnung nicht wie üblich mit einem Aufkleber zu realisieren, sondern bewusst auch das Aluminium hier mit einem Laser zu beschriften.
Neben Informationen zur Versorgungsspannung und der Spannung im Inneren der Uhr, trägt die Rückseite auch den Namen des Unikats: „Fuga Nixie“ – Eine Kombination aus dem lateinischen Wort für „Flucht“ oder „Entfliehen“ und dem Spitznamen der Zahlenröhren. Ich entschied mich für diese Kombination, da sie sowhol den Fortschritt der Technologie, als auch den der Zeit wiederspiegelt.

Um die Uhr einzustellen und mit Strom zu versorgen, nutze ich die bereits vorhandene Aussparung für einen Kaltgerätestecker. Mit einem 3D-gedruckten Adapter werden hier 3 Knöpfe aus Edelstahl und eine USB-C-Buchse montiert.
Endergebnis

Ich bin mit dem finalen Aussehen der Uhr sehr zufrieden. Der Bau hat Spaß gemacht und das Ergebnis ist nicht nur praktisch, sondern auch ein täglicher Begleiter. Die erwartete Lebensdauer für eine Nixie-Röhre liegt bei bis zu 50.000 Stunden. Ich bin gespannt!
~nm




